Sturmfreie Bude für die Kids

die Ehrenamtlichen Amanda Howe und Karole Gizolme aus dem Oxfam MOVE Berlin (v.l.)

Eltern kennen den Spagat zwischen Kindern und Beruf nur allzu gut. Am Ende bleibt meist einer auf der Strecke: Die Kinder, der Job oder man selbst. Trotzdem wünschen sich viele eine Beschäftigung jenseits von Kindern und Haushalt. Einen Ort, an dem man nicht nur „Mama oder Papa von“ ist. Deshalb engagieren sich Amanda Howe und Karole Gizolme im Oxfam MOVE Berlin. Für die beiden Mütter sind die überschaubaren Arbeitszeiten ideal. Sie lernen etwas, treffen nette Leute und können sich ganz ihrer Leidenschaft Secondhand-Kleidung widmen.

Eine Abwechslung zum Kinderalltag, das war es, was Amanda gefehlt hat. „Ich freue mich einfach, einmal in der Woche dahin zu gehen, wo ich darauf achte, was ich anziehe“, sagt die zurückhaltende 44-Jährige und lächelt. „Zu Hause ist das egal.“ Amanda hat fünf Kinder zwischen vier und 14 Jahren, ihr freundliches Gesicht mit den braunen Augen strahlt Ruhe aus. Eigentlich ist sie Heilerziehungspflegerin, wieder in ihrem Beruf zu arbeiten, ist im Moment nicht möglich, dafür brauchen die Kinder sie noch zu sehr.

Als eine Freundin ihr erzählt, dass in der Nähe ein Oxfam Shop aufmacht und freiwillige Mitarbeiter/innen sucht, zögert sie zunächst – kann sie das schaffen? Sich ehrenamtlich zu engagieren war für sie schon immer selbstverständlich und als Britin kennt sie Oxfam. Ihre Kinder finden die Idee von Anfang an super: „Mama geht arbeiten!“, rufen sie begeistert – vielleicht auch, weil sie wissen, dass sie in der Zeit sturmfreie Bude haben.

Secondhand-Kleidung ist in Großbritannien ein ganz großes Thema – in kleinen Städten gibt es ganze Einkaufspassagen, in denen ein Charity-Shop neben dem anderen ist. „Natürlich lange nicht so schön wie der Oxfam MOVE“, sagt Amanda. Sie mag die individuelle Atmosphäre von Secondhand-Läden und dass man damit auch noch etwas Gutes tut. Karole geht es genauso: „Ich mache kein Modediktat mit“, sagt die 44-jährige zweifache Mutter aus Martinique. Auch sie kannte die Oxfam Shops als Kundin, wie Amanda trägt sie schon lange ausschließlich Secondhand, weil es individueller ist und der Umwelt gut tut.

„Das macht Sinn, deswegen bin ich hier.“

Karole ist anfangs reserviert und ernsthaft, man merkt, dass sie ein kritischer Kopf ist. Wenn sie lacht, zeigt sich, wie offen und herzlich sie ist. Als Journalistin war Karole in Asien, Afrika und Lateinamerika unterwegs und kennt darum aus eigener Anschauung die Verhältnisse in Ländern, in denen die materielle Armut groß ist. Für Oxfam hat sie sich ganz bewusst entschieden. „Oxfam macht politische Arbeit, bezieht Stellung und arbeitet mit Partnerorganisationen vor Ort zusammen, um die dortigen Verhältnisse zu ändern  – das unterscheidet Oxfam von anderen Hilfs- und Entwicklungsorganisationen. Das macht Sinn, deswegen bin ich hier.“ Auch die Arbeit im Team macht ihr Spaß. „Ich habe unter der Woche so viel um die Ohren, da ist der Donnerstag bei Oxfam eine Oase, wo ich mich auf anderes konzentrieren kann.“